Hallo!
Ich wollte ein Zitat aus einem Buch mit Euch teilen, das ich gerade lese: Das Ohr und das Leben von Alfred Tomatis. Tomatis war ein Französischer Arzt und Psychiater, der sein ganzes Leben über Stimme und Sprache geforscht hat. Seine Ergebnisse unterstützen, warum in Kundalini Yoga unsere Mantren (und auch Japji) meistens im Gurmukhi (eine besonders für Mantren entwickelte Indische Sprache) sind.
SEITE 36 Über die Einfluß von Sprache auf den Körper
“Durch die Lautäußerungen, wir haben schon darauf hingewiesen, wird der gesamte Körper »geprägt«, modelliert. Bringen wir einen kleinen, drahtigen Neapolitaner, einen breitgebauten und stämmigen Deutschen, einen langen und schlanken Engländer in die Vereinigten Staaten und lassen wir sie einige Jahre lang sich in der neuen Atmosphäre entwickeln. Und dann wollen wir sie uns wieder ansehen. Welche Überraschung! Sie reden nicht nur eine neue Sprache, sie haben auch ein neues Aussehen. Ihr Kopf ist stärker abgeflacht, ihre Gesichtszüge neigen wie durch Zufall dazu, sich denjenigen eines Indianers anzunähern. Verantwortlich für diese Veränderung, die ein geübtes Auge durchaus zu erkennen vermag, ist das, was ich den »Wortfluß« nenne. Das Gesicht ist eine der bevorzugten Stellen, auf denen er sich ausbreitet. Doch es gibt auch andere, so die Vorderseite des Brustkorbes und des Bauches, die Handflächen, die Oberseite der rechten Hand im Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger, die Innenseite der unteren Gliedmaßen, vor allem in der Gegend des Knies, die Fußsohlen.
Man irrt sich, wenn man meint, die Töne würden nur auf das Ohr einwirken. Gewiß, es ist das wichtigste Empfangsorgan für sie, doch dazu ist es erst schrittweise geworden, und zwar durch Differenzierung eines Abschnitts der Körperhaut, der sich ursprünglich nicht von der übrigen Haut unterschied. Das glaubte ich wenigstens damals. Die Trine, die wir durch unsere Sprache hervorbringen, hinterlassen in unserem Körperbild und unserem peripheren Nervensystem viele kleine Tupfer. Die tägliche Wiederholung dieses Modellierprozesses bringt mit der Zeit eine bestimmte Silhouette hervor.
Wir verändern, indem wir sprechen, die Struktur unseres Körpers, und zwar notwendigerweise weil wir zu ihm sprechen, denn er wird als erster vom Ton getroffen, den er hervorbringt. Nicht alle Körperbereiche sind diesen Tönen gleichermaßen ausgesetzt. Die Sprache sensibilisiert allmählich die Stellen mit Sinneszellen, die auf die durch das Sprechen erzeugten Schallwellen reagieren. Die für diese Information günstigsten Zonen befinden sich offensichtlich dort, wo besonders viele auf die Wahrnehmung von Drücken spezialisierte Nervenfasern vorhanden sind. Andererseits konzentrieren wir alle, je nachdem was wir sind oder was wir aus uns machen wollen, unsere Aktivität auf einen bestimmten Teil unseres Körpers. Zu dieser Körperpartie sprechen wir vorzugsweise. Fragen Sie sich also nicht mehr, weshalb ein Radrennfahrer seine Presseerklärungen mit gedämpfter, an Zischlauten armer Sprache abgibt. Er wendet sich ganz einfach an den Mittelpunkt seiner Aktivität sozusagen seines Lebens, also in diesem Fall an seine
Beine. Eine tiefe Stimme hängt notwendigerweise mit einer Konzentration des Interesses auf den unteren Teil des Körpers zusammen.
Im Idealfall sollte freilich jeder Mensch seine gesamte Körperoberfläche gleichmäßig erreichen. Das ist nicht unmöglich. Die tibetischen Yogis verwenden viel Zeit und seelische Energie auf dieses Ziel hin. Nach einer gewissen Einübung bringen sie es fertig, mit ihrem Rücken so unbeschwert zu sprechen wie mit ihren Handflächen. Der »wahre« Ton, daran erinnere ich immer wieder, kommt nicht nur von den Lippen, sondern vom ganzen Körper. Schon Aristoteles und Platon haben mit Recht darauf verwiesen, daß man durch das Sprechen oder Singen die äußere Luft im Gleichklang mit der inneren zum Vibrieren bringt. Das bedeutet umgekehrt, daß uns die Sprache nicht von vornherein mit allen ihren Möglichkeiten gegeben ist: Die Beherrschung der Sprache in ihrer Gesamtheit ist gewissermaßen die Belohnung für eine strikte Askese und ein langes Einüben. Von der antiken Weisheit können wir viel lernen. Besser gesagt, mit ihrer Hilfe müssen wir uns wieder das gesamte frühere Wissen aneignen, das uns verlorengegangen ist.”
An einer anderen Stelle des Buches hat Tomatis dann noch gesagt, dass eine Beschäftigung von ung. eine halbe Stunde mit eine andere Sprache genügend ist um die Veränderungen hervorzurufen und bleibend zu machen. Also …..
Grüsse, Satya Singh